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Sinnvoll zu betrachten

Die Lebensweise eines Boddhisattvas

Format: Gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3-908543-10-7
Detail: 560 Seiten
Preis: 49.00 CHF  
 
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Gebundene Ausgabe

Viele Menschen haben den mitfühlenden Wunsch, anderen von Nutzen zu sein. Aber nur wenige haben das nötige Verständnis, wie sie effektiv diesen Wunsch in ihrem täglichen Leben umsetzen können.

Ein Bodhisattva ist jemand, der sich entschlossen hat, alle Wesen von Leiden zu befreien, indem er sein spirituelles Potential zur Reife bringt.

In dieser hoch geschätzten Erklärung des großen buddhistischen Klassikers - dem Leitfaden zur Lebensweise eine Bodhisattvas - zeigt Geshe Kelsang, wie die erhabene mitfühlende Absicht eines Bodhisattvas entwickelt und aufrecht erhalten werden kann. So können wir die eigentlichen Handlungen eines Bodhisattvas durchführen, die für andere von größten Nutzen sein werden und zur Erlangung der vollen Erleuchtung führen werden.


"Ein unerlässliches buddhistisches Buch - kein ernsthafter Schüler des Buddhismus kann darauf verzichten" JOHN BLOFELD

Auszug aus diesem Buch:

Eine ausführliche Erklärung der Kraft der Freude

Wann immer wir Dharma praktizieren, sollten wir es voller Freude tun. Wenn wir es zulassen, daß wir durch die körperlichen und geistigen Probleme, die möglicherweise entstehen, unglücklich werden, wird in der Zukunft unsere Fähigkeit zu anhaltender Praxis behindert sein. Gehen wir beispielsweise in ein einmonatiges Meditations-Retreat und bemerken, daß unser Geist mit Problemen und Schwierigkeiten angefüllt ist, so ist es unwahrscheinlich, daß wir uns noch einmal motivieren können, ein solches Retreat in Angriff zu nehmen. Viele dieser Probleme und Schwierigkeiten entstehen, weil wir nicht wissen, wie man vernünftig praktiziert, und uns stattdessen über unsere Grenzen hinaus fordern. Das Ergebnis einer solch extremen Art der Praxis ist nichts als Unglück.

Wenn wir dagegen ein freudvolles Gefühl aufrechterhalten können, werden wir nicht nur inneres Glück und Frieden empfinden, sondern die Früchte unserer Praxis werden sich schnell einstellen. Infolgedessen werden wir die Gelegenheit genießen und noch intensiver praktizieren. [63] So wie sich ein Sportler an seinem Sport erfreut und deshalb nicht bereit ist, ihn aufzugeben, genauso sollten wir Dharma praktizieren: niemals dessen überdrüssig und nur durch den Wunsch motiviert, noch mehr zu praktizieren.

[64] Auf ihrer Suche nach weltlichem Glück wenden die Menschen großes Bemühen bei geschäftlichen Aktivitäten an, obwohl es bei weitem nicht sicher ist, daß sie dabei auch erfolgreich sein werden. Vielleicht werden ihnen ihre Aktivitäten einen Gewinn einbringen, aber es ist genausogut möglich, daß letzten Endes nur Enttäuschung und Unzufriedenheit auf sie wartet. Trotz dieser Unsicherheit machen sich diese Leute mit Freude und Enthusiasmus an ihre Arbeit. Wenn wir Dharma praktizieren, besteht kein Zweifel am Ergebnis: es ist sicher, daß es Glück sein wird. Wenn Menschen für Aktivitäten Enthusiasmus entwickeln können, deren Ausgang zweifelhaft ist, warum finden wir dann nicht große Freude und Vergnügen an der Ausübung einer Sache, die uns niemals verraten wird?

Das ist ein wichtiger Punkt, und wir sollten darüber nachdenken. Wir sollten die Aktivitäten, mit denen wir uns normalerweise beschäftigen, gründlich dahingehend untersuchen, ob sie die erwarteten Resultate bringen oder nicht. Im Allgemeinen sind wir sehr motiviert, den fünf Objekten der sinnlichen Begehren nachzujagen: erfreulichen Formen, Klängen, Gerüchen, Geschmäcken und Objekten des Tastsinns. [65] Aber wie Buddha Shakyamuni es ausdrückte, gleichen alle diese Objekte dem Honig auf der Schneide einer Rasierklinge oder einer schönen Blume, die in Wirklichkeit giftig ist. Wenn wir uns den fünf Sinnesobjekten mit der großen Anhaftung nähern, die normalerweise von ihnen ausgelöst wird, sollten wir uns darauf einstellen, weiterhin endlos die Leiden und Unzufriedenheit Samsaras zu erfahren.

Wenn wir etwas essen, das zwar sehr appetitlich aussieht, in Wirklichkeit jedoch giftig ist, so spüren wir möglicherweise nicht sofort etwas Nachteiliges; zuerst kann es sogar sehr köstlich schmecken. Aber nachdem wir dieses giftige Essen geschluckt haben, wird es zur Ursache starker Schmerzen. Wenn wir anziehende Objekte mit großer Anhaftung und Begehren benutzen, geschieht das gleiche: zunächst empfinden wir vielleicht noch etwas Vergnügen, aber es wird schnell verschwinden und durch Unzufriedenheit, Verzweiflung und Leiden ersetzt werden. Die Anziehungskraft, die diese kurzfristigen Vergnügungen auf uns ausüben, wird das Tor zur Befreiung verschließen und die Pforte in die drei niederen Bereiche öffnen.

In einem anderen Beispiel vergleicht Buddha Shakyamuni die Objekte des Begehrens mit einem Feuer. Wenn uns kalt ist, können wir uns aufwärmen, wenn wir uns an ein Feuer setzen. Überschätzen wir es aber als Quelle von Vergnügen und strecken unsere Hand danach aus und berühren es, werden wir uns stark verbrennen. Eine Motte läßt sich voller Freude von einer Kerzenflamme anziehen, aber schnell wird sie von ihr versengt und aufgezehrt. Ähnlich verhält es sich, wenn wir mit Anhaftung an den kleinen Vergnügen festhalten, die wir aus anziehenden Objekten gewinnen. Das wird uns der sicheren Freude der Erleuchtung berauben und uns Enttäuschung und großem Elend aussetzen.

Es ist sehr hilfreich, sich an die oben aufgeführten Beispiele zu erinnern und über die vielen Fehler und Nachteile der samsarischen Begehren zu meditieren. Wenn wir es einmal leid sind, den Sinnesobjekten nachzujagen, die uns bloß kurzfristiges Vergnügen, aber lang anhaltendes Leiden bescheren, können wir uns die gleiche Frage stellen wie Shantideva:

Warum betrete ich den Pfad zur Befreiung nicht, der nicht ein Wort von Leid enthält und der sowohl vorübergehendes als auch endgültiges Glück gewährt? In meiner ganzen Dharma-Praxis werde ich wie der Elefant sein, der sich, von der Mittagshitze gequält, in einen kühlen, erfrischenden Teich stürzt. [66]