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Freudvoller Weg des Glücks

Der vollständige buddhistische Pfad zur Erleuchtung

Format: Gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3-908543-29-9
Detail: 740 Seiten
Preis: 29.90 €  
 
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Gebundene Ausgabe

Kapitel 1 - Einführung

Erster Teil  - Grundlagen und die anfängliche Ausrichtung
Die Stufen des Pfades


Die großen buddhistischen Klosteruniversitäten Nalanda und Vikramashila entwickelten beide ihren eigenen Vortragsstil. Wenn ein Spiritueller Meister gemäß der Tradition von Nalanda den Dharma lehrt, beginnt er (oder sie) damit, drei Reinheiten zu erläutern. Wann immer wir den Dharma hören, darüber lesen oder ihn unterrichten, sind diese drei Reinheiten notwendig: ein reiner Geist von seiten des Schülers, reine Rede von seiten des Spirituellen Meisters und reiner Dharma. Der Geist des Schülers oder der Schülerin ist rein, wenn er oder sie frei von falschen Sichtweisen ist, Vertrauen in den Spirituellen Meister und den Dharma hat, der gelehrt wird, und eine korrekte Motivation besitzt. Die Rede des Spirituellen Meisters ist rein, wenn sie fehlerlos und klar ist, wenn er sie von einem authentischen Spirituellen Meister empfangen hat und wenn die mündliche Überlieferung und die Unterweisungen der Überlieferungslinie Segnungen haben. Der Dharma ist rein, wenn er den gesamten Pfad enthüllt, der zur Erleuchtung führt, jeden Punkt fehlerfrei darlegt und in ungebrochener Linie seit Buddha Shakyamuni überliefert wurde. Der hier erklärte Dharma, der Lamrim, ist rein, weil er diese drei notwendigen Voraussetzungen besitzt. Unsere Aufgabe als Leser ist es daher, sicherzustellen, dass unser eigener Geist rein ist, während wir die Bedeutungen, die erklärt werden, lesen, darüber nachdenken und meditieren. In erster Linie müssen wir eine gute Motivation entwickeln, indem wir denken:

Ich habe jetzt eine großartige Gelegenheit, Buddhaschaft zu erlangen und andere zum gleichen Zustand zu führen. Um erleuchtet zu werden, muss ich alle Stufen des Pfades praktizieren. Deshalb werde ich diese Unterweisungen studieren und in die Praxis umsetzen.

Wenn wir den Lamrim mit solch einer reinen Absicht lesen, werden wir unsere Ansammlung von Verdiensten von Augenblick zu Augenblick vergrößern. Wir können unser Leben nicht sinnvoller einsetzen. Für mich selbst, den Autor, gibt es nichts Bedeutungsvolleres in meinem Leben, als den reinen Dharma zu lehren und zu erklären.

Gemäß der Tradition von Vikramashila beginnt ein Spiritueller Meister, wenn er (oder sie) den Dharma lehrt, immer mit der Erklärung von drei Punkten:

(1) Die herausragenden Qualitäten des Autors des Urtextes, auf dem die Unterweisungen basieren
(2) Die herausragenden Qualitäten der in diesen Texten dargelegten Unterweisungen
(3) Wie man den Dharma anhört und ihn lehrt

Es bringt uns großen Nutzen, wenn wir diese Erklärungen erhalten, bevor wir die eigentlichen Unterweisungen der Stufen des Pfades studieren. Wenn wir die herausragenden Eigenschaften des Autors oder der Autorin kennen, werden wir leicht verstehen, dass der Dharma, den er oder sie lehrt, authentisch sein muss. Wenn wir die herausragenden Qualitäten des Lamrim kennen, werden wir ganz natürlich Interesse, Respekt und Vertrauen in ihn entwickeln. Wenn wir wissen, wie man die Unterweisungen anhört, wie man sie liest und wie man sie unterrichten sollte, werden wir den größten Vorteil aus Gelegenheiten wie diesen gewinnen können; und schließlich werden wir anderen von größtem Nutzen sein, wenn wir ihnen diese Unterweisungen weitergeben.
Alle in diesem Buch dargelegten Erklärungen sind in den folgenden vier Teilen enthalten:

1. Die Erklärung der herausragenden Qualitäten des Autors, die zeigen, dass die Unterweisungen des Lamrim authentisch sind
2. Die Erklärung der herausragenden Qualitäten des Lamrim, um Vertrauen und Respekt für die Lamrim-Unterweisungen zu wecken
3. Die Erklärung, wie man den Dharma hört und ihn lehrt
4. Die Erklärung der eigentlichen Unterweisungen über die Stufen des Pfades zur Erleuchtung

Die Qualitäten des Autors

DIE ERKLÄRUNG DER HERAUSRAGENDEN QUALITÄTEN DES AUTORS, DIE ZEIGEN, DASS DIE UNTERWEISUNGEN DES LAMRIM AUTHENTISCH SIND

Die Lamrim-Unterweisungen wurden ursprünglich von Buddha Shakyamuni gelehrt. Sie wurden in zwei getrennten Überlieferungslinien weitergegeben: in der Weisheitsüberlieferungslinie von Nagarjuna und in der Methodenüberlieferungslinie von Asanga. Die Weisheitsüberlieferungslinie, der tiefgründige Pfad, wurde von Buddha Shakyamuni an Manjushri, von Manjushri an Nagarjuna und dann über weitere Lehrer an Atisha weitergegeben. Die Methodenüberlieferungslinie, der weite Pfad, wurde von Buddha Shakyamuni an Maitreya, von Maitreya an Asanga und dann über weitere Lehrer an Atisha weitergegeben. Beide Überlieferungslinien enthalten Unterweisungen über Methode und Weisheit, aber sie unterscheiden sich in der Schwerpunktsetzung.

Der Autor des Lamrim ist Atisha, denn er war es, der als erster alle Unterweisungen dieser zwei großen Mahayana-Überlieferungslinien in seinem Werk Eine Lampe für den Pfad zur Erleuchtung zusammenbrachte und seiner Darlegung den Kurztitel Lamrim gab. Er verband die zwei Traditionen in einer Weise, durch die beide leichter zu verstehen und zu praktizieren waren. Dieses Werk diente als Muster für alle nachfolgenden Lamrim-Texte.

Atishas Leben und Werk wird in drei Teilen erklärt:

1. Atishas Geburt in eine königliche Familie und seine frühen Jahre
2. Atishas Erlangung von Wissen und spirituellen Realisationen
3. Atishas Werk der Verbreitung des Buddhadharmas in Indien und Tibet

ATISHAS GEBURT IN EINE KÖNIGLICHE FAMILIE UND SEINE FRÜHEN JAHRE

Atisha wurde 982 n. Chr. als Prinz in Ostbengalen, Indien, geboren. Der Name seines Vaters war Kalyanashri (Glorreiche Tugend), und der Name seiner Mutter war Prabhavarti Shrimati (Glorreiches Strahlen). Er war der zweite von drei Söhnen. Bei seiner Geburt erhielt er den Namen Chandragarbha (Mondessenz). Der Name Atisha, der «Frieden» bedeutet, wurde ihm später vom tibetischen König Jangchub Ö gegeben, weil er stets ruhig und friedvoll war.

Als Chandragarbha noch ein Kind war, nahmen ihn seine Eltern zu einem Tempelbesuch mit. Entlang des ganzen Weges hatten sich Tausende von Menschen versammelt, um einen kurzen Blick auf den Prinzen zu erhaschen. Als er die Menge sah, fragte Chandragarbha: «Wer sind diese Menschen?» Und seine Eltern antworteten: «Es sind unsere Untertanen.» Im Herzen des Prinzen entstand spontan Mitgefühl, und er betete: «Mögen alle diese Menschen genauso großes Glück genießen wie ich selbst.» Sobald er jemandem begegnete, entstand in seinem Geist ganz natürlich der Wunsch: «Möge diese Person Glück finden und frei von Leiden sein.»

Schon als kleiner Junge hatte Chandragarbha Visionen von Tara. Manchmal, wenn er auf dem Schoß seiner Mutter saß, fielen blaue Upali-Blumen vom Himmel, und er begann zu reden, und es sah so aus, als ob er sich mit den Blumen unterhalten würde. Yogis erklärten später seiner Mutter, dass die blauen Blumen, die sie gesehen hatte, ein Zeichen dafür waren, dass Tara ihrem Sohn erschien und mit ihm sprach.

Als der Prinz älter wurde, wollten seine Eltern eine Heirat für ihn arrangieren, aber Tara gab ihm den Rat: «Wenn du Anhaftung an dein Königreich entwickelst, gleichst du einem Elefanten, der in den Schlamm einsinkt und sich nicht wieder selbst daraus befreien kann, weil er so riesig und schwer ist. Entwickle keine Anhaftung an dieses Leben. Studiere und praktiziere den Dharma. Du warst in vielen früheren Leben ein Spiritueller Meister, und auch in diesem Leben wirst du ein Spiritueller Meister werden.» Inspiriert durch diese Worte, entwickelte Chandragarbha sehr großes Interesse daran, den Dharma zu studieren und zu praktizieren, und er war entschlossen, alle Realisationen der Unterweisungen Buddhas zu erlangen. Er wusste, dass er einen voll qualifizierten Spirituellen Meister finden musste, um sein Ziel zu erreichen. Als erstes ging er zu einem berühmten buddhistischen Lehrer namens Jetari, der in der Nähe lebte, und bat um Dharma-Unterweisungen darüber, wie man sich aus Samsara befreit. Jetari gab ihm Unterweisungen über Zuflucht und Bodhichitta und sagte ihm dann, dass er nach Nalanda gehen und vom Spirituellen Meister Bodhibhadra lernen solle, wenn er rein praktizieren wolle.

Als der Prinz Bodhibhadra traf, sagte er: «Ich erkenne, dass Samsara sinnlos ist und dass nur Befreiung und volle Erleuchtung wirklich lohnend sind. Bitte gib mir Dharma-Unterweisungen, die mich schnell zum Zustand jenseits allen Leidens führen.» Bodhibhadra gab ihm kurze Unterweisungen über das Entwickeln von Bodhichitta und erteilte ihm dann den Rat: «Wenn du Dharma rein praktizieren möchtest, solltest du den Spirituellen Meister Vidyakokila aufsuchen.» Bodhibhadra wusste, dass Vidyakokila ein großer Meditierender war, der eine perfekte Realisation der Leerheit erlangt hatte und großes Geschick im Unterrichten der Stufen des tiefgründigen Pfades zeigte.

Vidyakokila gab Chandragarbha vollständige Unterweisungen sowohl über den tiefgründigen als auch über den weiten Pfad und schickte ihn dann für sein weiteres Studium zum Spirituellen Meister Avadhutipa. Avadhutipa gab ihm nicht sofort Anleitungen, sondern schickte den Prinzen zu Rahulagupta, damit dieser Unterweisungen über die Hevajra- und Heruka-Tantras erhalten konnte. Dann sollte er zu ihm zurückkehren, um detailliertere Unterweisungen über das Geheime Mantra zu bekommen. Rahulagupta gab Chandragarbha den geheimen Namen Jnanavajra (Unzerstörbare Weisheit) und die erste Ermächtigung. Es war die Ermächtigung in die Praxis von Hevajra. Dann schickte er ihn nach Hause, um die Zustimmung seiner Eltern einzuholen.

Obwohl der Prinz nicht am weltlichen Leben haftete, war es doch wichtig für ihn, die Einwilligung seiner Eltern zu haben, um so praktizieren zu können, wie er es wünschte. Er kehrte also zu seinen Eltern zurück und sagte: «Wenn ich Dharma rein praktiziere, werde ich, so wie es Arya Tara vorhergesagt hat, eure Güte und die Güte aller fühlenden Wesen zurückzahlen können. Kann ich dies tun, wird mein menschliches Leben nicht verschwendet sein. Andernfalls ist es sinnlos, selbst wenn ich mein ganzes Leben in einem prächtigen Palast verbringen kann. Bitte gebt mir eure Zustimmung, damit ich das Königreich verlassen und mein ganzes Leben der Dharma-Praxis widmen kann.» Chandragarbhas Vater war unglücklich über diese Worte und wollte seinen Sohn daran hindern, seine Anwartschaft auf den Thron aufzugeben. Seine Mutter aber war erfreut zu hören, dass ihr Sohn sein Leben dem Dharma widmen wollte. Sie erinnerte sich, dass bei seiner Geburt wunderbare Zeichen, wie zum Beispiel Regenbögen, erschienen waren, und sie erinnerte sich an Wunder wie die blauen Upali-Blumen, die vom Himmel fielen. Sie wusste, dass ihr Sohn kein gewöhnlicher Prinz war, und sie gab ihre Einwilligung ohne Zögern. Schon bald gewährte auch der König den Wunsch seines Sohnes.

Chandragarbha kehrte zu Avadhutipa zurück und erhielt sieben Jahre lang Unterweisungen über Geheimes Mantra. Seine Fähigkeiten wurden so groß, dass er eines Tages Stolz entwickelte und dachte: «Wahrscheinlich weiß ich mehr über Geheimes Mantra als irgend jemand sonst auf der ganzen Welt.» In jener Nacht kamen im Traum Dakinis zu ihm und zeigten ihm seltene Schriften, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Sie fragten ihn: «Was bedeuten diese Texte?», aber er hatte keine Ahnung. Als er aufwachte, war sein Stolz verschwunden.

Später dachte Chandragarbha, dass er Avadhutipas Praxis nachahmen und sich als Laie bemühen sollte, schnell durch Mahamudra-Praxis mit einer Handlungs-Mudra Erleuchtung zu erlangen. Er hatte jedoch eine Vision Herukas, die ihm sagte, dass er zahllosen Wesen helfen und den Dharma weit verbreiten könne, wenn er ordinieren würde. In jener Nacht träumte er, dass er einer Prozession von Mönchen in der Gegenwart von Buddha Shakyamuni folgte, und dieser wunderte sich, warum Chandragarbha noch nicht ordiniert war. Als er aus diesem Traum erwachte, entschloss er sich, Mönch zu werden. Er empfing seine Ordination von Shilarakshita und bekam den Namen Dhipamkara Shrijnana.

Vom Spirituellen Meister Dharmarakshita erhielt Dhipamkara Shrijnana ausführliche Unterweisungen über die Sieben Gruppen des Abhidharma und den Ozean der großen Erklärung, Texte, die aus der Sicht des Vaibashika-Systems geschrieben waren. Auf diese Weise erlernte er die Hinayana-Unterweisungen.

Immer noch nicht zufrieden gestellt, ging Dhipamkara Shrijnana nach Bodh-Gaya, um detaillierte Unterweisungen zu erhalten. Eines Tages hörte er zufällig eine Unterhaltung zweier Frauen mit an, die in Wirklichkeit Ausstrahlungen Arya Taras waren. Die Jüngere fragte die Ältere: «Welches ist die wichtigste Methode, schnell Erleuchtung zu erlangen?», und die Ältere antwortete: «Es ist Bodhichitta.» Als er dies hörte, fasste Dhipamkara Shrijnana den festen Entschluss, den wertvollen Bodhichitta zu erlangen. Später, während er den großen Stupa in Bodh-Gaya umrundete, sprach eine Statue Buddha Shakyamunis zu ihm: «Wenn du schnell Erleuchtung erlangen willst, musst du die Erfahrungen von Mitgefühl, Liebe und von kostbarem Bodhichitta gewinnen.» Da wurde sein Verlangen, Bodhichitta zu realisieren, sehr stark. Er hörte, dass der Spirituelle Meister Serlingpa, der sehr weit weg an einem Ort namens Serling in Sumatra lebte, eine ganz besondere Erfahrung von Bodhichitta erlangt hatte und Unterweisungen über die Sutras der Vollkommenheit der Weisheit geben konnte.

Dhipamkara Shrijnana benötigte dreizehn Monate, um mit dem Schiff nach Sumatra zu gelangen. Bei seiner Ankunft brachte er Serlingpa ein Mandala dar und trug ihm seine Bitten vor. Serlingpa sagte zu ihm, dass es zwölf Jahre dauern würde, die Unterweisungen zu vermitteln. Dhipamkara Shrijnana blieb zwölf Jahre in Sumatra und erlangte schließlich die kostbare Realisation des Bodhichittas. Dann kehrte er nach Indien zurück.

ATISHAS ERLANGUNG VON WISSEN UND SPIRITUELLEN REALISATIONEN

Indem er sich auf seine Spirituellen Meister verließ, gewann Atisha das besondere Wissen der drei Gruppen der Unterweisungen Buddhas – der Gruppe der moralischen Disziplin, der Gruppe der Vorträge und der Gruppe der Weisheit – sowie der vier Klassen des Tantras. Außerdem beherrschte er viele Künste und Wissenschaften, so zum Beispiel Dichtung, Rhetorik und Astrologie. Er war ein hervorragender Arzt und sehr geschickt in Handwerk und technischen Dingen.

Atisha erlangte auch alle Realisationen der Drei Höheren Schulungen: Schulung in höherer moralischer Disziplin, Schulung in höherer Konzentration und Schulung in höherer Weisheit. Da alle Stufen von Sutra, wie zum Beispiel die Sechs Vollkommenheiten, die fünf Pfade und die zehn Ebenen, sowie alle Stufen des Tantras, wie die Erzeugungs- und Vollendungsstufen, in den Drei Höheren Schulungen enthalten sind, erlangte Atisha alle Realisationen der Stufen des Pfades.

Es gibt drei Arten höherer moralischer Disziplin: die höhere moralische Disziplin der Pratimoksha-Gelübde – der Gelübde der individuellen Befreiung –, die höhere moralische Disziplin der Bodhisattva-Gelübde und die höhere moralische Disziplin der Tantra-Gelübde. Die Gelübde, zweihundertdreiundfünfzig Übertretungen aufzugeben, die ein vollordinierter Mönch ablegt, sind in den Pratimoksha-Gelübden enthalten. Atisha brach niemals auch nur ein einziges davon. Dies zeigt, dass er sehr starke Achtsamkeit und sehr große Gewissenhaftigkeit besaß. Er hielt auch die Bodhisattva-Gelübde – das Vermeiden der achtzehn Hauptübertretungen und sechsundvierzig sekundären Übertretungen – und alle seine Tantra-Gelübde in reiner Weise ein.

Die Erlangungen von höherer Konzentration und höherer Weisheit sind in allgemeine und außergewöhnliche Erlangungen unterteilt. Eine allgemeine Erlangung wird sowohl von Sutra- als auch Tantra-Praktizierenden erlangt, und eine außergewöhnliche Erlangung wird nur von tantrisch Praktizierenden erlangt. Durch die Schulung in höherer Konzentration erreichte Atisha die allgemeine Konzentration des Ruhigen Verweilens und auf dieser Basis Hellsicht, Wunderkräfte und die allgemeinen Tugenden. Er erreichte zudem außergewöhnliche Konzentrationen, wie die Konzentrationen der Erzeugungs- und Vollendungsstufe des Geheimen Mantras. Durch die Schulung in höherer Weisheit erlangte Atisha die allgemeinen Realisationen der Leerheit und die außergewöhnlichen Realisationen des Beispiel- und des Sinn-Klaren-Lichtes des Geheimen Mantras.

ATISHAS WERK DER VERBREITUNG DES BUDDHADHARMAS IN INDIEN UND TIBET

Atisha beherrschte sowohl die Hinayana- als auch Mahayana-Unterweisungen und wurde von Lehrern beider Traditionen respektiert. Wenn Nichtbuddhisten mit ihm debattierten und besiegt wurden, nahmen sie den Buddhismus als ihren Glauben an. Atisha war wie ein König, das Kronjuwel der indischen Buddhisten, und wurde als zweiter Buddha betrachtet.

Vor Atishas Zeit hatte der siebenunddreißigste König Trisong Detsen (ca. 754-797 n. Chr.) Padmasambhava, Shantarakshita und andere buddhistische Lehrer nach Tibet eingeladen, und unter ihrem Einfluss blühte der reine Dharma. Doch einige Jahre später zerstörte ein tibetischer König namens Lang Darma (ca. 836 n. Chr.) den reinen Dharma in Tibet und hob den Sangha auf. Bis zu jener Zeit waren die meisten der Könige religiös gewesen, und es war eine finstere Zeit für Tibet während Lang Darmas schrecklicher Herrschaft. Etwa 70 Jahre nach seinem Tod begann der Dharma durch die Bemühungen von großen Lehrern, wie dem Übersetzer Rinchen Sangpo, in den oberen Teilen Tibets wieder zu erblühen. Auch in den unteren Teilen Tibets begann der Dharma durch die Bemühungen eines großen Lehrers namens Gongpa Rabsäl wieder zu blühen. Allmählich verbreitete sich der Dharma bis nach Zentraltibet.

Zu jener Zeit gab es keine reine Praxis der Vereinigung von Sutra und Tantra. Man hielt die zwei für widersprüchlich wie Feuer und Wasser. Wenn die Menschen Sutra praktizierten, gaben sie Tantra auf, und wenn sie Tantra praktizierten, gaben sie Sutra und selbst die Vinaya-Regeln auf. Falsche Lehrer kamen aus Indien, die einiges von dem in Tibet reichlich vorhanden Gold an sich bringen wollten. Sie gaben vor, Spirituelle Meister und Yogis zu sein, und führten Abartigkeiten wie Schwarze Magie, das Erschaffen von Erscheinungen, sexuelle Praktiken und rituellen Mord ein. Diese üblen Praktiken verbreiteten sich ziemlich weit.

Ein König namens Yeshe Ö und sein Neffe Jangchub Ö lebten in Ngari in Westtibet. Sie waren sehr besorgt darüber, was mit dem Dharma in ihrem Land geschah. Der König weinte, wenn er an die Reinheit des Dharmas in früheren Zeiten dachte und ihn mit dem unreinen Dharma verglich, der zu seiner Zeit praktiziert wurde. Es betrübte ihn sehr, zu sehen, wie verhärtet und unkontrolliert der Geist der Menschen geworden war. Er dachte: «Wie wunderbar wäre es, wenn der Dharma in Tibet wieder erblühen und den Geist der Menschen zähmen würde.» Um diesen Wunsch zu erfüllen, sandte er Tibeter nach Indien, die Sanskrit lernen und sich im Dharma schulen sollten. Aber viele dieser Menschen konnten das heiße Klima nicht ertragen. Die wenigen, die überlebten, lernten Sanskrit und schulten sich sehr gut im Dharma. Unter ihnen war der Übersetzer Rinchen Sangpo, der viele Unterweisungen erhielt und dann nach Tibet zurückkehrte.

Da diesem Plan nicht viel Erfolg beschieden war, entschied sich Yeshe Ö, einen authentischen Lehrer aus Indien einzuladen. Er sandte eine Gruppe von Tibetern mit einer großen Menge Gold nach Indien und beauftragte sie, den fähigsten Spirituellen Meister in Indien zu suchen. Er riet jedem, den Dharma zu studieren und perfekte Kenntnisse in Sanskrit zu erwerben. Diese Tibeter ertrugen alle Strapazen des Klimas und der Reise, um seinem Wunsch nachzukommen. Einige von ihnen wurden berühmte Übersetzer. Sie übersetzten viele Schriften und sandten sie dem König, der sich sehr darüber freute.

Als diese Tibeter in ihr Land zurückkehrten, berichteten sie Yeshe Ö: «In Indien gibt es viele sehr gelehrte buddhistische Lehrer, aber der bemerkenswerteste und erhabenste unter ihnen ist Dhipamkara Shrijnana. Wir würden ihn gerne nach Tibet einladen, aber er hat Tausende von Schülern in Indien.» Als Yeshe Ö den Namen Dhipamkara Shrijnana hörte, war er erfreut und fasste den Entschluss, diesen Meister nach Tibet einzuladen. Da er bereits das meiste von seinem Gold verbraucht hatte und jetzt mehr davon benötigte, damit er Dhipamkara Shrijnana nach Tibet einladen konnte, ging der König auf eine Expedition, um nach weiterem Gold zu suchen. Als er an eine der Grenzen kam, wurde er von einem nichtbuddhistischen König gefangen genommen und ins Gefängnis geworfen. Als die Nachricht bei Jangchub Ö eintraf, überlegte dieser: «Ich bin mächtig genug, gegen diesen König Krieg zu führen, aber wenn ich das tue, werden viele Menschen leiden, und ich muss viele schädliche, zerstörerische Handlungen ausführen.» Er entschied sich, für die Freilassung seines Onkels zu bitten, doch der König gab folgende Antwort: «Ich werde deinen Onkel nur freilassen, wenn du entweder mein Untertan wirst oder den Körper deines Onkels in Gold aufwiegst.» Unter großen Schwierigkeiten gelang es Jangchub Ö, Gold vom Gewicht des Körpers seines Onkels zusammenzubringen, aber das Gewicht des Kopfes fehlte ihm noch. Da der König auch die restliche Menge forderte, bereitete sich Jangchub Ö darauf vor, nach weiterem Gold zu suchen, aber bevor er aufbrach, besuchte er seinen Onkel. Er fand Yeshe Ö zwar körperlich schwach, doch in gutem Gemütszustand vor. Jangchub Ö sprach durch die Gitterstäbe des Gefängnisses: «Schon bald werde ich dich befreien können, denn ich habe fast alles Gold zusammengebracht.» Yeshe Ö antwortete: «Behandle mich bitte nicht, als wäre ich wichtig. Du darfst diesem feindlichen König das Gold nicht geben. Schicke alles nach Indien und bringe es Dhipamkara Shrijnana dar. Dies ist mein größter Wunsch. Ich gebe freudig mein Leben hin, um den reinen Dharma in Tibet wiederherzustellen. Bitte bringe Dhipamkara Shrijnana diese Nachricht. Lass ihn wissen, dass ich mein Leben hingegeben habe, um ihn nach Tibet einzuladen. Da er Mitgefühl für das tibetische Volk hat, wird er unsere Einladung annehmen, wenn er diese Nachricht erhält.»

Jangchub Ö sandte den Übersetzer Nagtso zusammen mit einigen Begleitern und dem Gold nach Indien. Als sie Dhipamkara Shrijnana trafen, berichteten sie ihm, was in Tibet vor sich ging und dass die Menschen einen Spirituellen Meister aus Indien einladen wollten. Sie erzählten ihm, wie viel Gold der König als Darbringung gesandt hatte und wie viele Tibeter gestorben waren, um den reinen Dharma wiederherzustellen. Sie sagten ihm, dass Yeshe Ö sein Leben geopfert habe, um ihn nach Tibet zu bringen. Nachdem sie ihre Bitte vorgebracht hatten, dachte Dhipamkara Shrijnana über ihre Worte nach und nahm ihre Einladung an. Obwohl er in Indien sehr viele Schüler hatte und dort sehr hart für den Dharma arbeitete, wusste er, dass es in Tibet keinen reinen Dharma gab. Zudem hatte er eine Prophezeiung von Arya Tara erhalten, dass er zahllosen fühlenden Wesen helfen würde, wenn er nach Tibet ginge. Mitgefühl entstand in seinem Herzen, als er daran dachte, wie viele Tibeter in Indien gestorben waren, und besonders das Opfer von Yeshe Ö bewegte ihn sehr.

Dhipamkara Shrijnana musste seine Reise nach Tibet geheimhalten, denn hätten seine indischen Schüler davon gewusst, dass er Indien verlassen wollte, hätten sie ihn daran gehindert. Er sagte, dass er eine Pilgerreise nach Nepal machen würde. Aber von Nepal aus ging er weiter nach Tibet. Als seine indischen Schüler schließlich erkannten, dass er nicht zurückkehren würde, protestierten sie und warfen den Tibetern vor, dass sie Diebe seien, die ihren Spirituellen Meister gestohlen hätten!

Da es damals, genau wie heute auch, üblich war, einen Ehrengast stilvoll zu begrüßen, sandte Jangchub Ö ein Gefolge von dreihundert Reitern zusammen mit vielen bedeutenden Tibetern an die Grenze, um Atisha willkommen zu heißen und ihm ein Pferd anzubieten, damit sich die schwierige Reise nach Ngari etwas leichter gestaltete. Atisha ritt in der Mitte der dreihundert Reiter, und mittels seiner Wunderkräfte saß er eine Elle über dem Rücken des Pferdes. Diejenigen, die ihn vorher nicht respektiert hatten, entwickelten sehr starkes Vertrauen bei seinem Anblick, und alle sagten, dass der zweite Buddha in Tibet angekommen sei.

Als Atisha Ngari erreichte, bat ihn Jangchub Ö: «O mitfühlender Atisha, bitte gib Unterweisungen, um dem tibetischen Volk zu helfen. Bitte gib uns Ratschläge, die alle befolgen können. Bitte gib uns besondere Unterweisungen, damit wir alle Pfade von Sutra und Tantra zusammen praktizieren können.» Um diesem Wunsch nachzukommen, verfasste und lehrte Atisha Eine Lampe für den Pfad zur Erleuchtung. Er gab diese Unterweisungen zuerst in Ngari und dann in Zentraltibet. Viele Schüler, die diese Unterweisungen hörten, entwickelten große Weisheit.

Als Atisha in Indien war, hatte er eine Prophezeiung von Arya Tara erhalten: «Wenn du nach Tibet gehst, wird ein Laie kommen, um Unterweisungen von dir zu empfangen, und dieser Schüler wird den Dharma überall erblühen lassen.» Diese Prophezeiung bezog sich auf Atishas engsten Schüler Dromtönpa. Zuerst unterrichtete Atisha Dromtönpa in erster Linie im Lamrim, und den anderen Schüler gab er Unterweisungen über Geheimes Mantra. Als Dromtönpa ihn fragte: «Warum gibst du die Lamrim-Unterweisungen hauptsächlich mir und nicht den anderen?», antwortete Atisha, dass er besonders würdig sei, Lamrim-Unterweisungen zu empfangen. Nach Atishas Tod wurde Dromtönpa als sein Stellvertreter angesehen und wie Atisha respektiert. Dromtönpa lehrte in Tibet ausführlich Lamrim.

Es wurden drei Überlieferungslinien von Lamrim-Unterweisungen von Dromtönpa weitergegeben. Kadam Shungpawa wurde von Dromtönpa an Geshe Potowa und weiter an Geshe Sharawa und über weitere Lehrer an Je Tsongkhapa überliefert. Kadam Lamrimpa wurde von Dromtönpa an Geshe Gonbawa, Geshe Neusurpa und über weitere Lehrer an Je Tsongkhapa überliefert. Kadam Männgagpa wurde von Dromtönpa an Geshe Chenngapa, Geshe Jayulwa und über weitere Lehrer an Je Tsongkhapa überliefert. Bis zur Zeit Je Tsongkhapas wurden diese drei Überlieferungslinien Alte Kadam-Überlieferungslinien genannt. Die drei Überlieferungslinien von der Zeit Je Tsongkhapas an bis heute werden Neue Kadam-Überlieferungslinien genannt. Alle drei werden auch heute noch praktiziert. Die Praktizierenden der drei Schulen unterscheiden sich in Bezug auf den Umfang ihrer philosophischen Studien. Kadam Shungpawas studieren sehr ausführlich, Kadam Lamrimpas studieren weniger ausführlich, und Kadam Männgagpas studieren am wenigsten ausführlich. Ihnen allen ist jedoch Lamrim als Hauptpraxis gemeinsam, und sie integrieren ihre gesamten philosophischen Studien in die Praxis des Lamrim.

Der große Spirituelle Meister Ngawang Chogden ist ein Beispiel für Kadam Shungpawa. Er studierte in Zentraltibet viele Jahre Philosophie, und nachdem er die Geshe Prüfung abgelegt hatte, kehrte er in seine Heimat Kham in Osttibet zurück. Dort empfing er Unterweisungen von Jamyang Shaypa und erlernte den gesamten Lamrim. Er verstand dann, dass alle Unterweisungen Buddhas als verlässliche persönliche Ratschläge angenommen und in die Praxis umgesetzt werden sollten. Er erkannte, dass alle seine philosophischen Studien ein Teil des Lamrim und nicht getrennt davon waren. Er dachte: «Als ich ein Student in Zentraltibet war, habe ich eigentlich Lamrim studiert, aber ich hatte noch keine vollständigen Unterweisungen erhalten, und deshalb konnte ich nicht erkennen, wie alle meine Studien in die Praxis umgesetzt werden können. Jetzt kann ich sie jedoch gut verwenden, indem ich sie in meine Praxis des Lamrim integriere.»

Heutzutage studieren die Kadam Lamrimpas Texte wie Je Tsongkhapas Große Darlegung der Stufen des Pfades und Mittlere Darlegung der Stufen des Pfades. Die Kadam Männgagpas studieren einige kurze Texte wie den Glückseligen Pfad des Ersten Panchen Lama und den Schnellen Pfad des Zweiten Panchen Lama. Obwohl diese Texte kurz sind, enthalten sie alle Übungen des Lamrim.

Alle drei Überlieferungslinien gelangten zu Je Tsongkhapa. Nachdem Je Tsongkhapa Die drei Hauptaspekte des Pfades geschrieben hatte, die er zusammen mit dem Titel direkt von Manjushri empfangen hatte, ging er für ein intensives Retreat über Lamrim ins Kloster Reting. Während dieser Zeit schrieb er eine Lobpreisung an alle Gurus der Lamrim-Überlieferungslinie mit dem Titel Das Öffnen des Tores zum erhabenen Pfad. Im Kloster Reting gab es eine sehr kostbare Statue Atishas. Je Tsongkhapa richtete vor dieser Statue Bitten an Buddha Shakyamuni und brachte ihm und allen Gurus der Lamrim-Überlieferungslinie Lobpreisungen dar, und dort hatte er Visionen von Atisha, Dromtönpa, Geshe Potowa und Geshe Sharawa. Diese blieben einen ganzen Monat lang bei ihm und sprachen mit ihm wie eine Person zu einer anderen. Nach einem Monat lösten sich Dromtönpa, Geshe Potowa und Geshe Sharawa in Atisha auf, der dann den Scheitel Je Tsongkhapas mit seiner rechten Hand berührte und sagte: «Du musst für das Wohl des Buddhadharmas arbeiten, und ich werde dir helfen.» Dann schrieb Je Tsongkhapa seine Große Darlegung der Stufen des Pfades, die Krönung aller Lamrim-Texte. Später schrieb er seine Mittlere Darlegung der Stufen des Pfades, und schließlich schrieb er die Zusammengefasste Darlegung der Stufen des Pfades für diejenigen, die die längeren Texte nicht studieren können.

Seit der Zeit Je Tsongkhapas sind viele andere Lamrim-Texte verfasst worden. Unter diesen gibt es acht Haupttexte, die als die Acht großen Führer des Lamrim bekannt sind. Diese umfassen die drei oben genannten Texte von Je Tsongkhapa, den Glückseligen Pfad des Ersten Panchen Lama und den Schnellen Pfad des Zweiten Panchen Lama, die die wichtigsten Lamrim-Unterweisungen in Verbindung mit Geheimem Mantra darlegen, sowie die Essenz des veredelten Goldes des Dritten Dalai Lama und die Unterweisungen, die aus dem Munde Manjushris empfangen wurden des Fünften Dalai Lama, einen Kommentar zur Essenz des veredelten Goldes, der nur die Sutra-Unterweisungen des Lamrim lehrt, und die Essenz des gut gesprochenen Ratschlages des großen Lamas Dagpo Ngawang Dragpa.