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Die Lebensweise eines Boddhisattvas

Format: Gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3-908543-10-7
Detail: 560 Seiten
Preis: 24.90 €  
 
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Gebundene Ausgabe

Kapitel 1 - Einführung

Einleitung

Der vorliegende Text ist ein Kommentar zu Shantidevas Leitfaden für die Lebensweise eines Bodhisattvas (Skrt. Bodhisattvacharyavatara). Der Kommentar hat drei Teile:

1. Die herausragenden Qualitäten des Autors
2. Eine Einleitung zum Text
3. Die eigentliche Erklärung des Textes

Die herausragenden Qualitäten des Autors

Es ist üblich, daß zu Beginn von Kommentaren wie diesem eine Biographie des Autors, in diesem Fall des großen indischen Pandits Shantideva (687-763 n. Chr.), angeführt wird. Die nachfolgende kurze Zusammenfassung seiner Lebensgeschichte stammt aus traditionellen Quellen.

Shantideva wurde als Kronprinz einer königlichen Familie in Gujarat, einem Königreich in Westindien, geboren. Sein Vater war König Kushalavarmana (Rüstung der Tugend), und seine Mutter wurde als Ausstrahlung der tantrischen Gottheit Vajrayogini angesehen. Bei seiner Geburt bekam der Prinz den Namen Shantivarmana (Rüstung des Friedens).

Schon als sehr kleiner Junge zeigte Shantivarmana große Fähigkeiten in spirituellen Belangen, und im Alter von sieben Jahren war er bereits sehr bewandert in der inneren Wissenschaft der Religion. Sein wichtigster Lehrer zu jener Zeit war ein Yogi, der die durchdringende Weisheit so vollkommen realisiert hatte, daß es hieß, er sei mit Manjushri eins geworden. Manjushri ist die persönliche Gottheit, die die Weisheit aller erleuchteten Wesen verkörpert. Als Shantivarmana selbst ein Meditations-Retreat durchführte, empfing auch er eine direkte Vision von Manjushri und viele glückverheißende Zeichen.

Kurz danach starb König Kushalavarmana, und Shantivarmana sollte den Thron erben. In der Nacht vor der geplanten Krönung aber erschien ihm Manjushri in einem Traum. Er sagte zu dem Prinzen, daß er seinem Königreich entsagen und ein enthaltsamer Mönch werden solle. Shantivarmana floh sofort, nachdem er aufgewacht war, aus dem Palast, und verschwand im Wald, um zu meditieren. Einmal mehr hatte er eine Vision Manjushris, der ihm ein symbolisches hölzernes Schwert überreichte. Als er das Schwert annahm, erlangte er acht perfekte Realisationen. Dann reiste er zur großen Klosteruniversität von Nalanda, wo er vom Abt Jayadeva (Gott des Sieges) ordiniert wurde und den Ordinationsnamen Shantideva (Gott des Friedens) erhielt.

In Nalanda konnte Shantideva in seiner spirituellen Entwicklung schnell Fortschritte erzielen. Der Grund dafür war in erster Linie seine Praxis der tiefgründigen und anspruchsvollen Methoden des Tantras. Da er aber alle Übungen geheim und in der Nacht ausführte und sich am Tag ausruhte, schien es, als ob er nur drei Dinge täte: Essen, Schlafen und auf die Toilette gehen. Aus diesem Grund nannten ihn die anderen Mönche sarkastisch «Die drei Realisationen». Da sie ihn für einen sehr verantwortungslosen Mönch hielten, der eine Schande für ihre vornehme Universität war, schmiedeten sie einen Plan, um ihn loszuwerden. Da sie irrtümlicherweise annahmen, daß seine meditativen Fähigkeiten und sein Verständnis der Schriften sehr mangelhaft seien, arrangierten sie einen Vortrag, den Shantideva vor der ganzen Universität halten sollte. Sie dachten sich, daß seine Unwissenheit bloßgestellt und er dadurch so gedemütigt werden würde, daß er aus Scham die Universität verlassen müßte.

Am Tag der geplanten öffentlichen Erniedrigung bestieg Shantideva den Thron und gab zur Verblüffung der Anwesenden eine Abhandlung, die, nachdem sie niedergeschrieben worden war, unter dem Namen Leitfaden für die Lebensweise eines Bodhisattvas (Skrt. Bodhisattvacharyavatara) bekannt wurde. Sie gilt auch heute noch als die beste jemals verfaßte Anweisung, wie man ein Bodhisattva wird – ein Wesen, das die volle Erleuchtung zum Wohle aller anstrebt. Als er das neunte Kapitel erläuterte, das von der Weisheit handelt, die die wahre Natur der Wirklichkeit festhält, sagte er: «Alles ist wie Raum.» Dann begann er sich in den Himmel zu erheben und flog immer höher und höher hinauf, bis man ihn nicht mehr sah. Seine Stimme konnte man aber trotzdem noch klar hören. Auf diese wundersame Weise wurden der Rest des neunten Kapitels und das ganze zehnte Kapitel vorgetragen.

Da Shantideva nicht nach Nalanda zurückzukehren wollte, reiste er nach Südindien. Die Mönche, die er zurückließ, waren natürlich tief beeindruckt und etwas verwirrt durch seine Unterweisung und die Demonstration von übernatürlichen Kräften. Kurz danach entbrannte ein Streit um die Unterweisung. Die Pandits aus Kaschmir behaupteten, daß Shantideva nur neun Kapitel gelehrt hätte, während einige Gelehrte aus Magadha, die ein besonders gutes Erinnerungsvermögen besaßen, argumentierten, daß er eigentlich zehn Kapitel gelehrt hätte. Es wurde beschlossen, daß man diese Uneinigkeit nur durch ein abermaliges Hören der Unterweisung bereinigen könne. Deshalb verließen mehrere Mönche Nalanda, um denjenigen zu suchen, den sie einmal verachtet hatten, und baten um eine Wiederholung der Abhandlung. Shantideva erfüllte diese Bitte und gab ihnen zudem den Text seines Handbuches der Schulungen (Skrt. Shikshamuchchaya); darin sind ebenfalls die Übungen eines Bodhisattvas erläutert. Seit dieser Zeit blühten das Studium und die Praxis der Schriften Shantidevas in Indien und anderen Ländern mahayanabuddhistischer Ausrichtung.

Der Ruhm Shantidevas verbreitete sich immer weiter, und viele nichtbuddhistische Lehrer wurden neidisch. Einer ihrer größten Lehrer, Shankadeva, forderte Shantideva zu einer Debatte heraus, mit der Bedingung, daß der Verlierer seine eigene Lehre zugunsten derjenigen des Gewinners aufgeben müsse. Durch seine übernatürlichen Kräfte und seine unfehlbare Logik ging Shantideva als Gewinner hervor. So wurden Shankadeva und alle seine Anhänger Buddhisten.

Bei einer anderen Gelegenheit, als eine große Hungersnot in Südindien herrschte, gab Shantideva bekannt, daß er große Freigebigkeit zeigen wolle. Am nächsten Tag versammelten sich viele Menschen, um zu sehen, was er machen würde, und Shantideva stillte den Hunger der gesamten Menschenmenge mit einer einzigen Schale Reis! So entwickelten die Ortsansässigen großes Vertrauen in Shantideva und nahmen die buddhistische Lebensweise an.

Dies war nur eine kurze Biographie des großen Bodhisattvas Shantideva, der sein ganzes Leben lang zahllose Handlungen ausführte, um den Dharma zu verbreiten und fühlenden Wesen zu helfen. Auch heute noch können Menschen, die das Glück haben, seine herausragenden Texte zu lesen, zu studieren und darüber zu meditieren, in ihnen eine Quelle großer Einsicht und Hilfe finden.

Eine Einleitung zum Text

Wie ist Shantidevas Leitfaden zusammengesetzt, und was ist sein Inhalt? Er besteht aus zehn Kapiteln, und wir sollten uns sehr bemühen, die Bedeutung jedes einzelnen dieser Kapitel zu verstehen. Sonst gleichen wir dem Dummkopf, der von seiner Familie in einen Laden geschickt wurde, um zu schauen, was es dort zu kaufen gab. Als er nach Hause zurückkehrte und gefragt wurde, was erhältlich sei, mußte er antworten: «Ich weiß es nicht. Ich hab’s vergessen.» Sein Gang zum Laden war eine reine Zeitverschwendung. Ähnlich sollten wir uns schämen, wenn wir uns nach dem Durcharbeiten dieses Textes nicht daran erinnern können, was in jedem einzelnen Kapitel enthalten ist. Wenn sich das Studium dieses Textes lohnen und keine reine Zeitverschwendung sein soll, dann sollten wir nicht nur die Worte lesen, sondern uns auch sehr bemühen, ihre Bedeutung zu verstehen.

Es folgt jetzt eine kurze Beschreibung, was jedes einzelne der zehn Kapitel des Urtextes zum Inhalt hat.

1. Kapitel

Das endgültige Ziel der buddhistischen spirituellen Praxis ist die Erlangung des voll erwachten Geisteszustandes. Dieser vollkommene Zustand, der als Erleuchtung, Buddhaschaft oder das höchste Nirvana bekannt ist, kann von jedem erreicht werden, der die groben und subtilen Behinderungen, die seinen Geist bedecken, entfernt und die positiven geistigen Qualitäten voll entwickelt. Wir können diesen voll erwachten Zustand aber nicht erreichen, wenn wir nicht zuerst Bodhichitta, den Erleuchtungsgeist, entwickeln. Was ist Bodhichitta? Es ist der ununterbrochene und spontane Geisteszustand, der unablässig die Erlangung dieser vollkommenen Erleuchtung anstrebt, einzig zum Wohl aller Lebewesen. Wie später im Kommentar erläutert wird, wird Bodhichitta entwickelt, indem der Geist durch eine von zwei Methoden aufgebaut wird: entweder durch die Praxis der siebenfachen Ursache und Wirkung (auf der Erinnerung an die Mutterliebe beruhend) oder durch das Austauschen vom Selbst mit anderen.

Um diesen kostbaren Bodhichitta zu entwickeln, müssen wir gründlich über seine zahlreichen Vorteile nachdenken. Ein Geschäftsmann wird sich sehr anstrengen, um einen Handel abzuschließen, wenn er erkennt, daß er dabei einen großen Profit erzielen wird. Genauso werden wir ständig bemüht sein, Bodhichitta zu entwickeln, wenn wir seine zahlreichen Vorteile erkennen. Aus diesem Grund besteht das erste Kapitel aus einer ausführlichen Erklärung dieser Vorteile.

2. Kapitel

Wenn wir Bodhichitta entwickeln wollen, müssen wir alle Hindernisse zerstören, die sein Wachstum behindern, sowie die notwendigen Voraussetzungen für seine Entwicklung zusammenbringen. Das Haupthindernis für die Entwicklung von Bodhichitta ist Negativität. Sie wird definiert als das, was das Potential besitzt, die Frucht des Leidens zu verursachen. Da wir durch die nichttugendhaften Handlungen, die wir in der Vergangenheit ausgeführt haben, eine große Ansammlung dieser leidverursachenden Tendenzen haben, fällt es uns außerordentlich schwer, den kostbaren und tugendhaften Gedanken des Bodhichittas zu erzeugen.

Wo giftige Pflanzen in großer Menge wachsen, kann unmöglich der Samen einer Heilpflanze sprießen. Genauso wird der tugendhafte Gedanke der Erleuchtung nicht in einem Geist entstehen, der vom Unkraut der Nichttugend überwuchert ist. Deshalb erklärt Shantideva im zweiten Kapitel seines Leitfadens, wie man den Geist für die Entwicklung dieser höchst altruistischen Geisteshaltung vorbereitet. Das geschieht, indem man alles, was potentiell ihr Wachstum behindert, ausmerzt. Die Reinigung der Negativität wird erreicht, indem die angesammelte Nichttugend aufgedeckt und dann durch die Anwendung der vier in diesem Kapitel erläuterten Gegenkräfte ausgemerzt wird.

3. Kapitel

Die Reinigung der Negativität allein genügt aber nicht für unseren Zweck. Wir müssen außerdem eine große Menge an Verdiensten, d.h. positive potentielle Energie, ansammeln, und das wird durch die Praxis der Tugend erreicht. Genauso, wie es für einen Bettler nicht angemessen wäre, einen König an einem dreckigen und vernachlässigten Ort zu empfangen, so ist es unmöglich für einen Geist, dem es an Verdiensten mangelt, den kostbaren Bodhichitta, den König aller Gedanken, zu empfangen. Wer diesen verehrten Gast in seinem Geist empfangen möchte, muß zuerst eine große Menge an verdienstvoller, positiver geistiger Energie erwerben. Dann ist es möglich, den kostbaren Erleuchtungsgeist zu entwickeln und zu bewahren. Deshalb erklärt Shantideva im dritten Kapitel, wie man Bodhichitta erlangt und ihn bewahrt.

4. Kapitel

Nachdem wir den kostbaren Bodhichitta entwickelt haben, müssen wir verhindern, daß er abnimmt. Dies gewährleisten wir durch das gewissenhafte Ausüben tugendhafter Handlungen mit Körper, Rede und Geist. Diese Gewissenhaftigkeit ist das Thema von Shantidevas viertem Kapitel.

5. Kapitel

Haben wir Bodhichitta entwickelt und dann durch Gewissenhaftigkeit gefestigt, müssen wir danach streben, diesen Geist zur vollen Reife zu bringen: der vollkommenen Erleuchtung. Das wird durch das Ablegen der Bodhisattva-Gelübde und durch die Praxis der Sechs Vollkommenheiten erreicht. Im Allgemeinen wird die erste Vollkommenheit, Geben, als erstes erklärt. Im vorliegenden Text erläutert Shantideva jedoch das Geben im zehnten und letzten Kapitel zusammen mit der Widmung. Der Grund dafür ist, daß Geben oder Großzügigkeit ein Teil der allgemeinen Widmung ist, die das Geben von allem Guten und Schönen im Universum an alle Lebewesen beinhaltet. Deshalb beginnt Shantideva seine Abhandlung mit der Vollkommenheit, die im Allgemeinen als zweites dargelegt wird, mit der Praxis der moralischen Disziplin, in einem Kapitel mit dem Titel «Wachsamkeit».

6. bis 10. Kapitel

Jedes der verbleibenden Kapitel beschreibt eine der Sechs Vollkommenheiten. Die Kapitel sechs bis acht beschreiben Geduld, Bemühen und Konzentration, während Kapitel neun einer ausführlichen Erklärung von Weisheit oder unterscheidendem Gewahrsein gewidmet ist. Wie schon erwähnt, behandelt das zehnte Kapitel das Geben und die Widmung der Verdienste. Die Entwicklung von Bodhichitta findet in drei Stufen statt. Die zehn Kapitel von Shantidevas Text beschreiben diese dreistufige Entwicklung, die zusammengefaßt im folgenden oft rezitierten Gebet der Erzeugung enthalten ist:

Möge der höchste, kostbare Bodhichitta
Wachsen, wo er noch nicht gewachsen ist,
Sich nicht vermindern, wo er bereits entstanden ist,
Und immerfort blühen.

Mit den ersten zwei Zeilen beten wir, daß alle fühlenden Wesen, die noch keinen Bodhichitta erzeugt haben, wir selbst eingeschlossen, diesen entwickeln mögen. Danach beten wir, daß diejenigen, die diesen altruistischen Geist schon erzeugt haben, ihn bewahren mögen, ohne daß er sich verringert. Mit der letzten Zeile beten wir, daß diejenigen, die Bodhichitta schon entwickelt und stabilisiert haben, ihn zur Vollendung bringen können. Die Erzeugung von Bodhichitta wird in dieser Reihenfolge in den ersten drei Kapiteln und die Stabilisierung im vierten Kapitel dieses Textes erläutert, während die Methoden, den stabilisierten Bodhichitta bis zur vollen Erleuchtung kontinuierlich zu verstärken, in den Kapiteln fünf bis zehn beschrieben werden.

Wenn wir in Übereinstimmung mit den Anweisungen der zehn Kapitel des Bodhisattvacharyavataras praktizieren, wird es nicht allzu schwierig sein, den erhabenen Zustand der Erleuchtung oder vollkommenen Buddhaschaft zu erlangen. In diesem Zustand wird unser menschliches Potential voll entwickelt sein, und wir sind fähig, anderen in größtmöglichem Umfang zu helfen.

Die eigentliche Erklärung des Textes

Der Hauptteil dieses Kommentars hat vier Teile:

1. Die Bedeutung des Titels
2. Die Ehrerbietung der Übersetzer
3. Die Erklärung der Bedeutung des Textes
4. Die Bedeutung der abschließenden Bemerkungen

Die Bedeutung des Titels

Der ursprüngliche Sanskrittitel dieses Textes ist Bodhisattvacharyavatara. Die tibetische Übersetzung lautet Byang chub sems dpai spyod pa la ‘jug pa. Der deutsche Titel ist Leitfaden für die Lebensweise eines Bodhisattvas.

Es ist bei allen Werken, die aus dem Sanskrit ins Tibetische übersetzt werden, üblich, den ursprünglichen Titel voranzustellen. Warum ist dies notwendig? Das hat zwei Gründe: Erstens gilt Sanskrit als die erhabenste aller Sprachen, und zudem war es die Sprache, in der Buddha gelehrt hat. Deshalb hilft die Sanskritüberschrift, Prägungen dieser heiligen Sprache in das Geisteskontinuum der Leser zu setzen. Zweitens wird der Titel in der ursprünglichen Sprache aufgeführt, damit wir uns an die große Güte der Übersetzer erinnern, die den Text aus dem Sanskrit ins Tibetische übersetzt haben. Nur durch das Mitgefühl und das sorgfältige Bemühen dieser Übersetzer hatten die Tibeter und später die westliche Welt die Möglichkeit, die tiefgründigen Methoden dieser heiligen Schrift zu studieren, darüber zu meditieren und sie zu praktizieren.

Die Ehrerbietung der Übersetzer

Bevor sie ihre Arbeit an diesem Text begannen, brachten die ursprünglichen Übersetzer allen Buddhas und Bodhisattvas ihre Verehrung und Huldigung dar, um Hindernisse zu beseitigen und die Fertigstellung ihrer Arbeit zu gewährleisten.

Diese Art der Ehrerbietung stimmt mit der Tradition überein, die von den großen Dharma-Königen Tibets festgelegt wurde. Diese Tradition verlangte, daß die Ehrerbietung der Übersetzer deutlich machen sollte, zu welchem «Korb» (Skrt. Pitaka) der Unterweisungen Buddhas der ursprüngliche Sanskrittext gehörte. Die Ehrerbietung zu Beginn eines Textes, der zum Korb der Vinaya gehörte – der in erster Linie die Schulung in Höherer Moralischer Disziplin behandelt –, mußte deshalb an den Allwissenden gerichtet sein. Wenn ein Text zum Sutra-Pitaka gehörte – Texte, die in erster Linie die Schulung in Höherer Konzentration behandeln –, dann mußte die Ehrerbietung an alle Buddhas und Bodhisattvas gerichtet sein. Gehörte ein Text aber zum dritten Korb, dem Abhidharma-Pitaka, der in erster Linie die Schulung in Höherer Weisheit erklärt, dann mußte die Ehrerbietung an den jugendlichen Manjushri, die Verkörperung der erleuchteten Weisheit, gerichtet sein. Auf diese Weise kann man durch das Lesen der Ehrerbietung leicht feststellen, zu welcher der drei Kategorien der Schriften der jeweilige Text gehört. Im vorliegenden Text ist die Ehrerbietung an die Buddhas und Bodhisattvas gerichtet; deshalb gehört der Bodhisattvacharyavatara zum Sutra-Pitaka, d.h. zum Korb der Vorträge, der in erster Linie die meditative Konzentration behandelt.