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Wie wir unsere Probleme lösen

Die Vier Edlen Wahrheiten

Format: Kart. / TB
ISBN: 978-3-908543-22-0
Detail: 208 Seiten
Preis: 8.95 €  
 
Erhältliche Formate
Kart. / TB

Kapitel 1 - Einführung

Teil Eins – Die Edlen Wahrheiten
Begehren


Damit wir unsere menschlichen Probleme lösen und immerwährenden Frieden und Glück finden können, gab uns Buddha äußerst tiefgründige Unterweisungen, um sie als praktische Ratschläge zu nutzen. Seine Unterweisungen sind als «Dharma» bekannt. Dharma bedeutet höchster Schutz vor Leiden. Er ist die eigentliche Methode, mit der wir unsere menschlichen Probleme lösen können. Damit wir dies verstehen, müssen wir uns als erstes überlegen, was die wahre Natur unserer Probleme und was ihre Hauptursachen sind.

Unsere Probleme existieren nicht außerhalb unseres Geistes. Die wahre Natur unserer Probleme sind unsere unangenehmen Gefühle, und sie sind Teil unseres Geistes. Wenn zum Beispiel unser Auto ein Problem hat, sagen wir oft: «Ich habe ein Problem.» Aber in Wirklichkeit ist es nicht unser Problem, sondern das Problem des Autos. Unsere Probleme entstehen nur, wenn wir unangenehme Gefühle erfahren. Das Problem unseres Autos ist außerhalb des Geistes, während unsere Probleme innerhalb des Geistes sind. Indem wir zwischen belebten und unbelebten Problemen auf diese Weise unterscheiden, können wir verstehen, daß die wahre Natur unserer Probleme unsere eigenen Gefühle sind, und diese sind Teil unseres Geistes.

Alle unsere Probleme, unsere unangenehmen Gefühle, stammen aus unseren Verblendungen der Anhaftung und der Unwissenheit des Festhaltens am Selbst. Daher sind diese Verblendungen die Hauptursache unserer Probleme. Wir haben starke Anhaftung an die Erfüllung unserer Wünsche, und für dieses Ziel arbeiten wir unser ganzes Leben lang sehr hart und erfahren dabei viele Schwierigkeiten und Probleme. Wenn unsere Wünsche nicht erfüllt werden, sind wir unglücklich und deprimiert. Dies wiederum führt häufig dazu, daß wir wütend werden und noch mehr Probleme für uns selbst und andere erschaffen. Aus eigener Erfahrung können wir dies klar verstehen. Wenn wir unsere Freunde, unsere Arbeit, unseren Status oder guten Ruf usw. verlieren, erfahren wir Schmerz und viele Schwierigkeiten. Das geschieht, weil wir starke Anhaftung an diese Dinge haben. Wenn wir keine derartige Anhaftung hätten, dann gäbe es keine Basis für Leiden und Probleme, wenn wir sie verlieren.

Aufgrund von starker Anhaftung an unsere Sichtweisen, erfahren wir das innere Problem von unangenehmen Gefühlen, wenn jemand diesen Sichtweisen widerspricht. Das führt dazu, daß wir wütend werden. Dadurch werden Auseinandersetzungen und Konflikte mit anderen ausgelöst, was wiederum zu weiteren Problemen führt. Die meisten politischen Probleme dieser Welt werden durch Leute verursacht, die starke Anhaftung an ihre eigene Sichtweise haben. Viele Probleme werden außerdem durch die Anhaftung der Menschen an ihre religiösen Sichtweisen verursacht.

In früheren Leben haben wir viele verschiedene Handlungen ausgeführt, die andere Lebewesen verletzten, weil wir Anhaftung an die Erfüllung unserer eigenen Wünsche hatten. Infolge dieser Handlungen erfahren wir jetzt viele verschiedene Probleme und Leiden in unserem Leben.

Wenn wir in den Dharma-Spiegel schauen, können wir sehen, wie unsere Anhaftung, Wut und besonders unsere Unwissenheit des Festhaltens am Selbst die Ursachen von allen unseren Problemen und Leiden sind. Wir werden zweifellos erkennen, daß es keine andere Methode gibt, unsere menschlichen Probleme zu lösen, als die Kontrolle über diese Verblendungen zu erlangen. Dharma ist die einzige Methode, mit der wir unsere Verblendungen der Anhaftung, Wut und Unwissenheit des Festhaltens am Selbst kontrollieren können. Darum können wir sagen, daß die Lehre Buddhas, der Dharma, die einzige Methode ist, unsere menschlichen Probleme zu lösen. Frühere Kadampa-Praktizierende und viele Praktizierende der heutigen Zeit verstehen dies anhand der eigenen Erfahrung; sie sind Zeugen dieser Wahrheit. Buddhas Lehre ist die höchste wissenschaftliche Methode für die Lösung unserer menschlichen Probleme. Wenn wir diese Unterweisungen aufrichtig in die Praxis umsetzen, werden wir mit Sicherheit unsere menschlichen Probleme lösen und den wahren Sinn unseres Lebens finden.

Leiden

Im Sutra der Vier Edlen Wahrheiten sagt Buddha:

Ihr solltet Leiden erkennen.
Ihr solltet Ursprünge aufgeben.
Ihr solltet Beendigungen erlangen.
Ihr solltet den Pfad praktizieren.

Diese Anweisungen sind als die «Vier Edlen Wahrheiten» bekannt. Sie heißen «Edle Wahrheiten», weil sie erhabene und nichttäuschende Anweisungen sind.

Im Allgemeinen verstehen alle, selbst Tiere, die körperliche oder geistige Schmerzen erfahren, ihr eigenes Leiden. Wenn aber Buddha sagt: «Ihr solltet Leiden erkennen», meint er, daß wir die Leiden der zukünftigen Leben erkennen sollten. Wenn wir diese erkennen, werden wir einen starken Wunsch entwickeln, uns von ihnen zu befreien. Dieser praktische Rat ist für alle wichtig, weil wir unser gegenwärtiges menschliches Leben für die Freiheit und das Glück unserer zahllosen zukünftigen Leben verwenden werden, wenn wir den Wunsch haben, uns von den Leiden der zukünftigen Leben zu befreien. Es gibt keinen tieferen Sinn.

Wenn dies nicht unser Wunsch ist, werden wir unser kostbares menschliches Leben einzig für die Freiheit und das Glück dieses einen kurzen Lebens verschwenden. Das wäre sehr dumm, denn unsere Absicht und unsere Handlungen wären nicht verschieden von der Absicht und den Handlungen der Tiere, die nur mit diesem Leben beschäftigt sind. Der große Yogi Milarepa sagte einmal zu einem Jäger mit dem Namen Gonpo Dorje:

Du hast den Körper eines Menschen, aber den Geist eines Tieres.
Bitte höre mein Lied, du, ein Mensch, der den Geist eines Tieres besitzt.

Normalerweise denken wir, daß das Lösen der Probleme und Leiden des gegenwärtigen Lebens sehr wichtig ist, und wir widmen unser ganzes Leben diesem Ziel. In Wirklichkeit sind die Probleme und Leiden dieses Lebens sehr kurz; wenn wir morgen sterben, enden sie morgen. Da jedoch die Dauer der Probleme und Leiden der zukünftigen Leben endlos ist, ist die Freiheit und das Glück unserer zukünftigen Leben viel wichtiger als die Freiheit und das Glück dieses einen kurzen Lebens. Buddha ermutigt uns mit der ersten Edlen Wahrheit, dieses gegenwärtige Menschenleben zu nutzen, um die Freiheit und das Glück unserer unzähligen zukünftigen Leben vorzubereiten. Wer so handelt, ist wahrhaft weise.

Eine ausführliche Erklärung, die uns hilft zukünftige Leben zu verstehen, ist in Anhang I und II zu finden.

Ursprünge

«Ihr solltet Ursprünge aufgeben.»

Auch dies ist ein sehr praktischer Rat. «Ursprünge» bezieht sich hauptsächlich auf unsere Verblendungen der Anhaftung, der Wut und der Unwissenheit des Festhaltens am Selbst. Normalerweise haben wir den aufrichtigen Wunsch, Leiden für immer zu vermeiden, doch wir denken niemals daran, unsere Verblendungen aufzugeben. Ohne jedoch unsere Verblendungen zu kontrollieren und aufzugeben, ist es unmöglich beständige Befreiung von Leiden und Problemen zu erlangen. Deshalb sollten wir Buddhas Rat befolgen und durch unsere Konzentration auf die tiefgründige Bedeutung des Dharmas und die Kraft unserer Entschlossenheit, die Kontrolle unserer Anhaftung, unserer Wut und unserer anderen Verblendungen betonen.

Verblendungen werden «Ursprünge» genannt, weil sie die Quelle aller Leiden und die Hauptursache aller unserer Probleme sind. Wir haben bereits gesehen, daß Anhaftung eine der Hauptursachen unserer Probleme ist, und die Probleme, die durch Wut verursacht werden, werden in Teil Zwei dieses Buches erklärt. Die folgende kurze Erklärung zeigt, daß unser Festhalten am Selbst die Hauptursache aller unserer Probleme ist.

Zuerst sollten wir unser Festhalten am Selbst erkennen, das immer in unserem Herzen ist und unseren inneren Frieden zerstört. Seine Natur ist ein falsches Gewahrsein, das irrtümlicherweise glaubt, daß wir selbst und andere wahrhaft oder inhärent existieren. Das ist ein unwissender Geist, weil die Dinge in Wirklichkeit nicht inhärent existieren – sie existieren als bloße Zuschreibungen. Weil der törichte Geist des Festhaltens am Selbst glaubt oder sich daran klammert, daß Ich, Mein und alle anderen Phänomene wirklich existieren, entwickeln wir Anhaftung an die Dinge, die wir mögen, und Wut auf diejenigen, die wir nicht mögen. Dann führen wir verschiedene Handlungen aus, die anderen Lebewesen schaden und infolgedessen erfahren wir verschiedene Leiden und Probleme in diesem und zukünftigen Leben; das ist der wesentliche Grund dafür, daß wir so viele Probleme erfahren. Da unser Gefühl von wahrhaft existierendem Ich und Mein so stark ist, fungiert unser Festhalten am Selbst außerdem als Grundlage für alle unsere täglichen Probleme.

Das Festhalten am Selbst kann mit einem giftigen Baum, die anderen Verblendungen mit seinen Ästen und alle unsere Leiden mit seinen Früchten verglichen werden. Das Festhalten am Selbst ist die grundlegende Ursache aller anderen Verblendungen und aller unserer Leiden und Probleme. Mit diesem Verständnis sollten wir großes Bemühen anwenden, um diese Unwissenheit zu erkennen, sie zu reduzieren und schließlich vollständig aufzugeben

Beendigungen

«Ihr solltet Beendigungen erlangen.»

Das bedeutet, daß wir die beständige Befreiung von Leiden erlangen sollten. Im Allgemeinen und von Zeit zu Zeit erfahren alle eine vorübergehende Beendigung eines speziellen Leidens. Diejenigen, die zum Beispiel körperlich gesund sind, erfahren eine zeitweise Beendigung von Krankheit. Dies ist jedoch nicht genug, da es nur vorübergehend ist. Später in diesem Leben und in zahllosen zukünftigen Leben werden sie die Leiden der Krankheit immer wieder erfahren. Jedes Lebewesen ohne Ausnahme muß Leben für Leben endlos den Leidenskreislauf von Krankheit, Altern, Tod und Wiedergeburt erfahren. Indem wir Buddhas Beispiel folgen, sollten wir starke Entsagung von diesem endlosen Kreislauf entwickeln. Als Buddha mit seiner Familie im Palast lebte, sah er, daß sein Volk unaufhörlich diese Leiden erfahren mußte, und er faßte den festen Entschluß, Erleuchtung – die beständige Beendigung von Leiden – zu erlangen und alle Lebewesen zu diesem Zustand zu führen.

Buddha ermutigte uns nicht, die alltäglichen Aktivitäten aufzugeben, die für die notwendigen Lebensbedingungen sorgen, die Armut, Umweltprobleme oder bestimmte Krankheiten und so fort verhindern. Doch wie erfolgreich wir in diesen Aktivitäten auch sein mögen, wir werden niemals die beständige Beendigung solcher Probleme erreichen. Wir werden sie trotzdem weiter in unseren zahllosen zukünftigen Leben erfahren müssen, und obwohl wir sehr hart dafür arbeiten, diese Probleme zu verhindern, wachsen selbst in diesem Leben die Leiden der Armut, der Umweltverschmutzung und der Krankheiten auf der ganzen Welt an. Außerdem entstehen aufgrund der modernen Technologien überall auf der Welt viele große Gefahren, die noch nie zuvor erlebt wurden. Deshalb sollten wir uns nicht nur mit einer vorübergehenden Freiheit von speziellen Leiden begnügen, sondern sollten starkes Bemühen anwenden, um beständige Freiheit zu erlangen, solange wir diese Gelegenheit haben.

Wir sollten die Kostbarkeit unseres Menschenlebens betrachten. Diejenigen, die aufgrund ihrer früheren verblendeten Sichtweisen, die den Wert der spirituellen Praxis verneinten, als Tiere wiedergeboren wurden, haben keine Möglichkeit, eine spirituelle Praxis auszuüben, und nur sie führt zu einem sinnvollen Leben. Da es für Tiere unmöglich ist, spirituelle Anweisungen anzuhören, sie zu verstehen, darüber nachzudenken und zu meditieren, ist ihre gegenwärtige Wiedergeburt als Tier an sich ein Hindernis. Nur Menschen sind frei von solchen Hindernissen und haben alle notwendigen Bedingungen für die Ausübung spiritueller Pfade, die als einzige zu immerwährendem Frieden und Glück führen. Diese Kombination von Freiheit und notwendigen Bedingungen ist die besondere Eigenschaft, die unser Menschenleben so kostbar macht.

Der Pfad

«Ihr solltet den Pfad praktizieren.»

In diesem Zusammenhang bedeutet «Pfad» nicht ein äußerer Pfad, der von einem Ort zum andern führt, sondern ein innerer Pfad, ein spiritueller Pfad, der uns zum reinen Glück der Befreiung und Erleuchtung führt. Eine ausführliche Erklärung der Stufen des Pfades zur Befreiung und Erleuchtung kann in Verwandle dein Leben, Das neue Meditationshandbuch und Freudvoller Weg gefunden werden.

Die Praxis der Stufen des Pfades zur Befreiung ist zusammengefaßt in den drei Schulungen der Höheren moralischen Disziplin, der Höheren Konzentration und der Höheren Weisheit. Diese Schulungen werden «Höher» genannt, weil sie durch Entsagung motiviert sind, einen aufrichtigen Wunsch, beständige Befreiung von den Leiden dieses und zukünftiger Leben zu erlangen. Deshalb sind sie der eigentliche Pfad zur Befreiung, den wir praktizieren müssen.

Die Natur der moralischen Disziplin ist es, unangemessene Handlungen aufzugeben, ein reines Verhalten zu bewahren und jede Handlung korrekt, mit einer tugendhaften Motivation auszuführen. Moralische Disziplin ist für alle äußerst wichtig, damit zukünftige Probleme für einen selbst und für andere vermieden werden können. Sie macht uns rein, weil sie unsere Handlungen rein macht. Wir selbst müssen sauber und rein sein; doch ein sauberer Körper ist nicht genug, da unser Körper nicht unser Selbst ist. Moralische Disziplin ist wie die große Erde, die die Ernte der spirituellen Realisationen trägt und nährt. Ohne die Praxis der moralischen Disziplin ist es schwierig, in der spirituellen Schulung Fortschritte zu machen. Die Schulung in Höherer moralischer Disziplin bedeutet, durch Entsagung motiviert zu lernen, tief vertraut mit der Praxis der moralischen Disziplin zu sein.

Die zweite Höhere Schulung ist die Schulung in Höherer Konzentration. Die Natur der Konzentration ist die Vermeidung von Ablenkungen und die Konzentration auf tugendhafte Objekte. Es ist sehr wichtig, sich in Konzentration zu schulen, da wir mit Ablenkungen gar nichts erreichen. Die Schulung in Höherer Konzentration bedeutet, durch Entsagung motiviert zu lernen, tief vertraut zu sein mit der Fähigkeit, Ablenkungen zu vermeiden und sich auf tugendhafte Objekte zu konzentrieren. Für jede Dharma-Praxis gilt, daß es einfach ist, Fortschritte zu machen, wenn unsere Konzentration klar und stark ist. Normalerweise sind unsere Ablenkungen unser Hauptproblem. Die Praxis der moralischen Disziplin verhindert grobe Ablenkungen, und Konzentration verhindert subtile Ablenkungen; zusammen führen sie zu schnellen Resultaten in unserer Dharma-Praxis.

Die dritte Höhere Schulung ist die Schulung in Höherer Weisheit. Die Natur der Weisheit ist ein tugendhafter intelligenter Geist, dessen Funktion es ist, Verwirrung zu vertreiben und tiefgründige Objekte genau zu verstehen. Viele Menschen sind sehr intelligent, was die Zerstörung ihrer Feinde, die Sorge für ihre Familie, die Erfüllung ihrer Wünsche und ähnliches anbelangt, doch das ist nicht Weisheit. Selbst Tiere haben diese Intelligenz. Weltliche Intelligenz ist täuschend, Weisheit hingegen wird uns niemals täuschen. Sie ist unser innerer Spiritueller Meister, der uns zu korrekten Pfaden führt, und sie ist das göttliche Auge, durch das wir vergangene und zukünftige Leben und die besondere Verbindung zwischen unseren Handlungen und Erfahrungen, «Karma» genannt, sehen können. Karma ist ein sehr weitreichendes und subtiles Thema, und wir können es nur mittels Weisheit verstehen. Die Schulung in Höherer Weisheit ist durch Entsagung motivierte Meditation über Leerheit realisierende Weisheit. Diese Weisheit ist äußerst tiefgründig. Ihr Objekt, Leerheit, ist nicht das Nichts, sondern die wahre Natur aller Phänomene. Eine ausführliche Erklärung der Leerheit ist in Verwandle dein Leben zu finden.

Die Drei Höheren Schulungen sind die eigentliche Methode, die beständige Beendigung der Leiden dieses und zahlloser zukünftiger Leben zu erlangen. Die folgende Analogie macht dies verständlich. Wenn wir einen Baum mit einer Säge fällen, dann kann die Säge allein, ohne die Hilfe der Hände, den Baum nicht umhauen, und die Hände ihrerseits sind von unserem Körper abhängig. Die Schulung in Höherer moralischer Disziplin ist wie unser Körper, die Schulung in Höherer Konzentration ist wie unsere Hände, und die Schulung in Höherer Weisheit ist wie die Säge. Wenn wir alle drei zusammen verwenden, können wir den giftigen Baum unserer Unwissenheit des Festhaltens am Selbst fällen, und automatisch werden alle anderen Verblendungen (seine Äste) und alle unsere Leiden und Probleme (seine Früchte) vollständig enden. Dann werden wir die beständige Beendigung der Leiden dieses und zukünftiger Leben erlangt haben – den beständigen höchsten inneren Frieden, bekannt als «Nirvana» oder Befreiung. Wir werden alle unsere menschlichen Probleme gelöst und den wahren Sinn unseres Lebens erfüllt haben.

Die Vier Edlen Wahrheiten können auf vielen verschiedenen Ebenen verstanden und praktiziert werden. Direkt oder indirekt sind alle Dharma-Übungen in der Praxis der Vier Edlen Wahrheiten enthalten. Anhand der oben aufgeführten Erklärungen können wir verstehen, wie sie im Allgemeinen praktiziert werden. Wir sollten aber auch verstehen, wie sie in bezug auf bestimmte Leiden, Ursprünge, Beendigungen und Pfade ausgeübt werden: wie sie zum Beispiel praktiziert werden in bezug auf das Leiden der Wut, seinen Ursprung (das ist die Wut an sich), seine Beendigung (die wahre Beendigung des Leidens der Wut), und den Pfad, der die Praxis von Geduld ist. Das wird in Teil Zwei dieses Buches erklärt.