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Herz der Weisheit

Eine Erklärung des Herz-Sutra

Format: Gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3-908543-13-8
Detail: 232 Seiten
Preis: 16.50 €  
 
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Gebundene Ausgabe
In diesem klaren und detaillierten Kommentar zur Essenz der Weisheit oder zum Herz-Sutra, einer der bekanntesten Schriften des Mahayana, erklärt der Autor auf geschickte Weise die traumähnliche Natur aller Dinge, die Abhängigkeit zwischen unserem Geist und unserer Welt und inwieweit wir unsere eigene Realität erschaffen.

Durch Studium, Kontemplation und Meditation über dieses Sutra erzielen wir ein perfektes Verständnis über die Natur der Wirklichkeit, überwinden Behinderungen und Schwierigkeiten in unserem Alltag und bezwingen die Hindernisse, die uns das Erlangen des perfekten Glücks der Erleuchtung verwehren.

"Ernsthaft interessierten Schülern des Buddhismus kann wohl kein besseres Buch begegnen." - THE MIDDLE WAY

Auszug aus diesem Buch:

Die Meditation über die erste Tiefgründigkeit der Anhäufung von Form


Ein anderes Beispiel, das oft gebraucht wird, um die Bedeutung der Leerheit zu illustrieren, ist die Erfahrung des Träumens. Wenn wir träumen, können wir äußerst lebhafte Erfahrungen machen. Wir reisen vielleicht in prächtige Länder, treffen schöne oder erschreckende Menschen, üben die verschiedensten Tätigkeiten aus und erfahren infolgedessen großes Vergnügen oder Leiden und Schmerz. In unserem Traum erscheint uns eine ganze Welt, die auf ihre eigene Weise funktioniert. Diese Welt kann der Welt unseres Wachzustandes ähnlich oder auch ziemlich bizarr sein, in jedem Fall aber erscheint sie uns als äußerst real, solange wir träumen. Es ist ziemlich selten, daß wir auch nur den leisesten Verdacht hegen, daß das, was wir erfahren, nur ein Traum ist. Die Welt, die wir in unserem Traum bewohnen, scheint ihre eigene Existenz zu haben, völlig unabhängig von unserem Geist, und wir reagieren auf sie in unserer gewohnten Art mit Begierde, Wut, Angst usw.

Wenn wir, während wir noch träumen, versuchen zu prüfen, ob die Welt, die wir erleben, wirklich ist oder nicht, indem wir beispielsweise die Objekte um uns herum beklopfen oder die anderen Menschen in unserem Traum befragen, werden wir wahrscheinlich eine Antwort erhalten, die die Realität unserer Traumumgebung zu bestätigen scheint. Tatsächlich ist der einzig sichere Weg zu wissen, daß wir geträumt haben, aufzuwachen. Dann begreifen wir augenblicklich ohne jeden Zweifel, daß die Welt, die wir in unserem Traum erfahren haben, täuschend war und unserem Geist bloß erschienen ist. Wenn wir einmal wach sind, ist es ganz klar, daß das, was wir in einem Traum erfahren, nicht aus sich selbst heraus existiert, sondern vollständig von unserem Geist abhängig ist. Wenn wir beispielsweise von einem Elefanten träumen, ist der «Traumelefant» lediglich eine Erscheinung unseres Geistes und kann weder in unserem Schlafzimmer noch sonstwo gefunden werden.

Wenn wir es sorgfältig prüfen, werden wir erkennen, daß unsere Welt des Wachzustandes auf ähnliche Weise wie unsere Traumwelt existiert. Wie die Traumwelt erscheint uns die Welt des Wachzustandes auf lebhafte Weise und scheint ihre eigene Existenz zu haben, unabhängig von unserem Geist. Genau wie im Traum glauben wir, daß diese Erscheinung wahr ist, und reagieren darauf mit Begierde, Wut, Angst usw. Auch werden wir wieder eine scheinbare Bestätigung unserer Sichtweise erhalten, wenn wir unsere Welt des Wachzustandes oberflächlich prüfen, wie wir es bei der Traumwelt taten, um zu sehen, ob sie tatsächlich auf die Weise existiert, wie sie uns erscheint. Beklopfen wir die Objekte um uns herum, werden sie ganz fest und wirklich erscheinen, und wenn wir andere Menschen fragen, werden sie sagen, daß sie die gleichen Objekte auf die gleiche Weise sehen wie wir. Wir sollten jedoch diese scheinbare Bestätigung der inhärenten Existenz von Objekten nicht als eindeutigen Beweis betrachten, da wir wissen, daß eine ähnliche Prüfung die eigentliche Natur unserer Traumwelt nicht enthüllen konnte. Um die wahre Natur unserer Welt des Wachzustandes zu verstehen, müssen wir sie untersuchen und eingehend darüber meditieren, indem wir die oben beschriebene Art der Analyse benutzen. Realisieren wir auf diese Weise Leerheit, werden wir verstehen, daß Objekte, wie zum Beispiel unser Körper, nicht aus sich selbst heraus existieren. Sie sind wie der Traumelefant bloße Erscheinungen unseres Geistes. Dennoch funktioniert unsere Welt nach ihren eigenen schein-baren Regeln in Übereinstimmung mit den Gesetzen von Ursache und Wirkung, genau wie unsere Traumwelt auf ihre eigene Weise funktioniert.

Die Erfahrung der Realisation von Leerheit kann deshalb mit dem Aufwachen verglichen werden. Wenn wir Leerheit einmal realisiert haben, sehen wir klar und ohne jeden Zweifel, daß die Welt, wie wir sie zuvor erfahren haben, täuschend und falsch war. Sie schien ihre eigene inhärente Existenz zu haben. Doch wenn wir Leerheit verstanden haben, realisieren wir, daß die Welt vollkommen leer von inhärenter Existenz ist und von unserem Geist abhängt. Tatsächlich wird Buddha manchmal als «Der Erwachte» bezeichnet, weil er aus dem «Schlaf» der Unwissenheit erwacht ist.